Ich über mich selbst

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ICH ÜBER MICH SELBST

 
Anfang: Eine besondere Begegnung
playing in the local band

Seit ich mich erinnern kann, habe ich die Musik und das Musizieren immer geliebt, aber ich hätte mich nicht dafür entschieden, professionelle Musikerin zu werden, hätte ich nicht als junge Konservatoriumsstudentin 1989 an einem Seminar mit dem Dirigenten Leonard Bernstein und dem Orchestra Nazionale di Santa Cecilia in Rom  zufällig teilgenommen. Es war die Fähigkeit Bernsteins, über – oder besser gesagt, dank der Musik – das Gewöhnliche und das Sichtbare zu ,transzendieren‘ und damit alle Anwesenden emotional tief zu berühren und sie in eine Dimension ,jenseits des Alltäglichen’ zu versetzen, die mich tief beeindruckte und begeisterte!

Ich kann mich immer noch deutlich erinnern, wie die Musik plötzlich ,anders‘ klang und wie sie sich auf einmal ,verwandelte’ in reine pulsierende Energie, berührende Schönheit und in ein Strömen von Gefühlen, was einen direkten Zugang zur Seele jedes Menschen öffnete. In jenem Seminar wurde mir plötzlich klar, dass ich mich der Musik widmen und sie zu meinem Lebensweg machen wollte!



Entwicklung: Musik als Transzendenz
Annapurna, Nepal 1989

Jenseits von all dem, was danach notwendigerweise folgte und was ich Schritt für Schritt machte um ,wirklich‘ Musikerin zu werden – Studien, Konzerte, Diplome, Reisen, Forschungen, Erfolge und natürlich auch Momente der Krise – ist die tiefe Motivation Musikerin zu sein stets die gleiche geblieben: ich liebe es zu spielen und ich liebe die Musik, natürlich weil sie unglaublich schön und bewegend ist, aber viel mehr noch weil ich durch sie einen tieferen Zugang zum Leben und dem ,Mensch-sein‘, sowie auf eine Art und Weise eine stärkere Verbundenheit mit der ganzen Menschheit spüre.

on the roofs of Paris 1991

Meine Studien beim Sergiu Celibidache, Michel Hentz in Paris und bei Irena Grafenauer in Salzburg, sowie all die vielfältigen Erfahrungen und Begegnungen mit anderen großen Musikern und Persönlichkeiten, die ich auf meinem musikalischen Weg traf, ließen mich klar erkennen, dass Musik nicht ,nur’ Musik ist. 

Musik ist für mich eine Art  Manifestation des Seins, des Lebens in seiner reinen pulsierenden Essenz. Dank der Musik wird eine Form von Kommunikation für jeden zugänglich, die keine Grenzen kennt, weil sie auf dem Ausdrücken von Gefühlen und tiefgehenden Emotionen basiert, die jeder Mensch kennt.

Aber genau deswegen ist sie auch eine ,flüchtige’ Kunst, die nicht festgehalten werden kann. Sie lebt von der Konzentration des Moments und von den Gefühlen und der Vorstellungskraft, die der Musiker immer wieder neu in sich wecken muss. Das Wesentliche passiert zwischen den Notenzeilen und das Ungeschriebene soll im Notentext erkannt werden und vom Künstler durch die eigenen kreativen Gestaltungs- und Interpretationsfähigkeiten ins Leben gerufen werden.

Daher ist Musik Kunst und gleichzeitig auch eine Art von „science of the soul, science of the inner lif[1]“


Jetzt: Musik als Kunst der menschlichen Begegnung und Kommunikation

Neben meinen künstlerischen Tätigkeiten widme ich mich leidenschaftlich dem Unterrichten und der Pädagogik und gleichzeitig auch interdisziplinären Forschungen. Es ist eine große Freude für mich, meine künstlerischen und pädagogischen Erfahrungen und Kenntnisse und meine Leidenschaft für die Musik an andere Menschen – seien es Profis oder Laien, jung oder ,weniger jung‘, begabt oder ,anders begabt‘ – weiterzugeben!

Als Kunst die auf Gefühle, Begegnung, Austausch und Kommunikation beruht, verbindet Musik. Sie überschreitet jede Grenze und ermöglicht ein intensives Miteinanderleben bzw. ‑erleben, ein sich selber besser Kennenlernen und eine Art authentische, direkte, tiefe zwischenmenschliche Kommunikation.

Ich erachte sowohl das Spielen als auch das Unterrichten als kreativen Akt und als wesentliche und komplementäre Aspekte meines künstlerischen Daseins, die sich gegenseitig bedingen und nähren und darüber hinaus die gleichen Kompetenzen und Qualitäten brauchen: Hingabe, Sensibilität, Leidenschaft, Kreativität, Empathie und viel Energie, sowie fachliche Kompetenzen, Kenntnisse und Wissen. Ich sehe es als meine Aufgabe als Künstlerin/Performerin, Räume der Begegnung mit dem Zuhörer zu schaffen und meine gesamte Energie, Kreativität und professionellen Kompetenzen einzusetzen, um durch mein Spiel das Innere des Komponisten, sowie den ästhetischen, stilistischen und v.a. emotionalen und transzendentalen Gehalt seiner Musik erfahrbar zu machen.

Im gleichen Ausmaß ist es für mich wesentlich, als Lehrende authentische und konstruktive Beziehungen mit den SchülerInnen aufzubauen und ihnen das künstlerische know-how, sowie die Unterstützung und das nötige menschliche Vertrauen zu geben, damit sich ihre persönlichen und künstlerisch-musikalischen Potenziale in einem Prozess der Selbstfindung zeigen und entfalten können.

Unterrichten ist für mich die Kunst, die Kreativität, Sensibilität und v.a. das individuelle Potenzial und die künstlerische Persönlichkeit der lernenden Person zu aktivieren, sie kompetent zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Dies ist wahrlich ein anspruchsvoller und mitunter auch anstrengender Prozess… aber wie wunderschön ist es, beim Unterrichten in jenem ,magischen‘ Moment dabei zu sein, in dem ein Mensch dank und durch das Musizieren sich ganzheitlich entfaltet und mit seinen Potenzialen und musikalischen Fähigkeiten in Kontakt kommt!



Persönlicheres…

Ich liebe Herausforderungen und meine Interessen sind vielfältig: es gibt nichts was mir mehr Freude bereitet als Neues zu lernen, meine menschlichen, kulturellen und spirituellen Horizonte zu erweitern, um so neue Aspekte des Lebens zu entdecken. Daraus erklären sich meine Vielfältigkeit, die Mehrsprachigkeit und die Liebe zum Reisen, und nicht zuletzt der eher ungewöhnliche Werdegang als Konzertistin, Pädagogin, Wissenschaftlerin und Forscherin.

Grundsätzlich bin ich ein neugieriger und ,unruhiger’ Mensch, verliebt in das Leben, hungrig nach Wissen und Verstehen, seit jeher bestrebt danach, meinem Leben einen Sinn zu geben indem ich stets versuche, mich weiterzuentwickeln und meinen Beitrag für eine ,bessere Welt‘ zu leisten. Ich versuche dies mit und durch die Musik zu erreichen.

Natürlich gab es neben meinen Erfolgen auch schmerzhafte Rückschläge, nach denen es schwierig war, wieder aufzustehen. Ich bin nicht perfekt… und mit zunehmendem Alter habe ich erkannt, dass es nicht wichtig ist, es zu sein. Ich bin eine authentische Person, die versucht, bei allem was sie macht, das Beste von sich zu geben und dabei auch Fehler macht… bei all dem steht aber eines fest: in alles was ich mache lege ich wirklich mein ganzes Herz und meine Seele, denn ich gebe mich nicht mit weniger zufrieden und wenn mich etwas nicht überzeugt, finde ich nicht eher Ruhe, bevor ich es nicht wirklich ergründet und verstanden habe…

Das Leben ist nie linear, sondern folgt seinem Lauf, manchmal auch schmerzhaft und unergründlich… aber das ist vielleicht der Sinn: sich dem Leben mit seinem ganzen Sein hinzugeben, und in all seinen unterschiedlichen Facetten immer wieder zu probieren, hinzufallen, wieder aufzustehen, zu versuchen, sich selbst und seine Begabungen und Talente zu finden und unserem Leben, Lieben, Wissen, miteinander-Teilen einen Sinn zu geben, unseren Geist zu erweitern und das Vertrauen zu bewahren, niemals aufzugeben… denn vielleicht hat alles seinen Sinn und es liegt an uns, diesen herauszufinden.

 

 

[1] Yo-Yo Ma discussing the purpose of music and arts at Chicago’s Senn Arts Speciality School